Geschichte

Die Geschichte der Feuerwehr ist alt, so alt, solange es gebaute  menschliche Behausungen gibt.

Die Geschichte ist aber auch schon so alt, dass sie viele schon für selbstverständlich halten. Aber ist es tatsächlich so selbstverständlich, dass auch heute noch junge Menschen sich in einer Jugendfeuerwehr zusammenfinden?

Die Gründung einer Jugendfeuerwehr ist keine Erfindung der Bürokratie, sondern aus der Not geboren.

Als in der Mitte des 19.Jahrhunderts in Deutschland die Freiwilligen Feuerwehren entstanden und gegründet wurden, war es für die männliche Bevölkerung in den Städten und Gemeinden beinahe eine Selbstverständlichkeit, dieser Organisation beizutreten. Dadurch entstanden zahlenmäßig starke Feuerwehreinheiten.

Ein Beispiel zeigt die Personal-Liste der Freiwilligen Feuerwehr Schorndorf im Jahre 1852, dem Gründungsjahr der Feuerwehr Schorndorf, eine Personalstärke von 138 Mann, die sich später auf über 200 erhöhte.

Die Stadt Schorndorf hatte damals etwa 4.000 Einwohner. Diese Mannschaftsstärke war aber notwendig, denn die technischen Ausrüstungsgegenstände waren einfach und primitiv.

Die Situation verbesserte sich mit der teilweisen Motorisierung der Pumpen und Fahrzeuge Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges mussten die Feuerwehren neu aufgebaut werden, aber Organisation und Uniform war nach dem Krieg bei der Bevölkerung nicht sehr gefragt, das merkte man auch bei den Feuerwehren, der „OHNE MICH“ Standpunkt hatte sich breit gemacht.

Ein Kreis älterer Feuerwehrmänner nahm in Schorndorf die Arbeit wieder auf, Nachwuchs war nur mit wenigen  jungen Männern zu verzeichnen, und man konnte bereits ausrechnen, bis zu welchem Zeitpunkt der Arbeit der Feuerwehr ein Ende gesetzt war.

Um den Bestand der Feuerwehr aber für die Zukunft zu erhalten, hat sich der damalige Kommandant Wilhelm Dobler im Jahre 1956 entschlossen, trotz aller Gegenargumente, eine Jugendfeuerwehr zu gründen um so den Nachwuchs und die Mannschaftsstärke für die Feuerwehr langfristig zu sichern.  (In der Feuerwehr sprach man vom Aufbau eines Kindergarten)

Wilhelm Dobler hat sich aber durchgesetzt und ist somit der Gründer der Jugendfeuerwehr Schorndorf.

Dieser Entschluss hat sich gelohnt, denn zunächst wurde eine Gruppe von neun Jugendlichen im Alter zwischen 12 bis 17 Jahren aufgestellt.

Erster Jugendleiter war Wilhelm Dörrscheidt, der später von Kurt Früh unterstützt wurde.

Die ersten Jugendfeuerwehrmänner die 1956 eintraten waren:

Walter Daiber, Rolf Dobler, Klaus Greiner, Siegfried Keller, Peter Kodacka, Franz Kurz, Ottmar Kurz, Ernst Vatter und Werner Vollmer.

Mit Eifer haben sich die Jugendfeuerwehrleute ihrem neuen Hobby gewidmet, um in nichts den „Aktiven „ nachzustehen.

Es meldeten sich weitere Jugendliche die durch Mund zu Mund Propaganda auf die Jugendfeuerwehr aufmerksam wurden, so konnte 1957 eine zweite Gruppe aufgestellt werden.

Eine Gruppe von 12 bis 15 jährigen (noch Schulpflichtige) und eine Gruppe 15 bis 17 jährigen, wobei diejenigen die das 15. Lebensjahr erreicht hatten in die Gruppe der bis 17jährigen eintraten.

Mit erreichen des 17. Lebensjahres wurden die Jugendlichen als Feuerwehranwärter in die aktive Feuerwehr übernommen und mit 18 Jahren als aktiver Feuerwehrmann verpflichtet.

Auf diese Weise konnten seit Gründung der Jugendfeuerwehr bis 1966, also innerhalb 10 Jahren, 18 Männer in die aktive Wehr übernommen werden.

1966 gab es 635 Jugendfeuerwehren in ganz Deutschland.

Die Jugendfeuerwehr Schorndorf gilt als eine der ältesten Jugendfeuerwehren in Baden-Württemberg und sogar in Deutschland.

Die Einkleidung im damaligen Feuerwehrgerätelokal im Rathaus (heute großer Sitzungssaal des Gemeinderats) wurde durch Karl Betsch durchgeführt. Die Bekleidungskammer war in einem Zwischengeschoss unter der Decke des Gerätelokals untergebracht welches durch eine steile Holztreppe zu erreichen war.

So sehr sich Karl Betsch auch bemühte, viel war natürlich am Anfang nicht zu bekommen, den den meisten Jugendlichen passten die Uniformröcke der aktiven Wehrmänner nicht. So reichte es für die Jugendlichen nur zu einem rot-schwarzen Leinengurt und zu einem Blechhelm mit Messingschweif.

Erst im Jahr1957 wurden Uniformröcke und Hosen beschafft, wie das Bild vor der alten Polizeiwache (heute Café Weiler) zeigt, somit war die Schorndorfer Jugendfeuerwehr auch bei Festumzügen einheitlich gekleidet.

Das erste Übungsgerät mit dem die Jugendfeuerwehr die praktische Ausbildung aufnahm war der damalige Mannschaftswagen mit einem Tragkraftspritzen-Anhänger, es war ein Opel Blitz mit hinten offenem Mannschaftsaufbau und Planenverdeck, die Kriegsbezeichnung war KzS8(Kraftzugspritze).

Bereits im Oktober 1957 zeigten die Jugendfeuerwehrangehörigen in der Öffentlichkeit ihr Können, bei der Hauptübung der aktiven Wehr die an der Künkelinhalle stattfand, rückten sie mit dem komplett offenen LF 20 Magirus Baujahr1925 zum Feuersee aus und legten eine Schlauchleitung über die unendliche lange Burgstraße bis zur Künkelinhalle. Erst mit dieser Schlauchleitung war die Wasserversorgung zum Löschen des angenommenen Brandes gesichert und es konnte auch bald darauf das Kommando Feuer aus und Wasser halt gegeben werden.

Ab 1960 bekamen die Jugendlichen als Übungsuniform einen Anorak und eine Skikeilhose zusätzlich zur Ausgehuniform, auch Helme und Hakengurten wurden für die 15 bis 17 jährigen ausgegeben und somit war die Jugendfeuerwehr Schorndorf bereits so ausgerüstet wie die aktiven Feuerwehrmänner.

1965 bezogen die Jugendlichen einen Umkleideraum im Untergeschoss der heutigen Feuerwache an der Künkelinstraße, somit hatte es ein Ende mit dem Aufbewahren der Übungsuniform zu Hause in den Wohnräumen.

Wilhelm Dörrscheid,Bernd Sterrmann und Helmut Schmid nahmen vom 8.bis 10 Januar 1965 am 2.Jugendleiter-Lehrgang  des Deutschen Feuerwehrverbandes an der Sportschule in Ruit mit Erfolg teil.

Ein Tagesordnungspunkt war bei dem Lehrgang der Entwurf und die Gestaltung eines Abzeichens einheitlich für alle Deutsche Jugendfeuerwehren.

Das bei dem Jugendleiter-Lehrgang entworfene

Deutsche Jugendfeuerwehr Symbol und das Ärmelabzeichen

haben heute noch Gültigkeit und somit sind die drei Vertreter der Jugendfeuerwehr Schorndorf unmittelbar mit den eingebrachten Ideen an dem Entwurf beteiligt.

Bei dem 1966 in Schorndorf stattfindenden Kreisfeuerwehrtag zeigte die Jugendfeuerwehr erneut ihr Können und den guten Ausbildungsstand. Bei einer Schauübung im Hof der Gottlieb-Daimler-Realschule an der Schloßstraße überzeugten sich eine große und interessierte Anzahl von Zuschauern von der Leistung der Jugendfeuerwehr, unter den Zuschauern befand sich auch der damalige Kreisbrandmeister Emil Kühner.

Im Anschluss an die Übung übergab Oberbürgermeister Rudolf Bayler zusammen mit Kreisbrandmeister Emil Kühner, im Innenhof des Schorndorfer Schloßes anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Jugendfeuerwehr Schorndorf, einen Wimpel an die Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

Auch überregional war man im Ländle auf die Jugendfeuerwehr Schorndorf aufmerksam geworden.

So erschien eine größer Bildreportage von der ausgeführten Übung und von der Überreichung des Jugendfeuewehr-Wimpels in den Zeitschriften: IWZ, REWE-Post und der Fernsehzeitung Gong.

Die Angehörigen der Jugendfeuerwehr waren stolz, dass sie den Namen der Feuerwehr und der Stadt Schorndorf ins Land hinaus getragen haben.

Vom 26. März bis 30. März 1967 war die Jugendfeuerwehr, unserer Partnerstadt Tulle in Frankreich, bei uns zu Gast. Diese Begegnung stand im Zeichen echter Freundschaft. Beim Festabend im Feuerwehrgerätehaus zeigten die Jugendfeuerwehr-Angehörigen aus Tulle ihr turnerisches Können.

Die Feuerwehr hat durch diese Begegnungen dazu beigetragen, dem hohen und schönen Ziel umfassender Freundschaft zwischen dem Nachbarstaat Frankreich und Deutschland näher zu kommen. Es war ein echtes Anliegen die Freundschaft zwischen Schorndorf und Tulle zu fördern.

Oberbürgermeister Bayler versicherte in seiner Ansprache an die Gäste gewandt: „Sie haben in Schorndorf einen prächtigen Eindruck hinterlassen und ihr Heimatland ausgezeichnet vertreten.“

1968 nach 12-jähriger Dienstzeit als Ausbilder der Jugendfeuerwehr wurde das Amt von Wilhelm Dörrscheidt und Kurt Früh in jüngere Hände übergeben.

Helmut Schmid wurde zum Jugendleiter der Jugendfeuerwehr Schorndorf ernannt. Maschinist bei den Übungen der Jugendfeuerwehr war Helmut Wöhrle.

1971 fand im Schloßhof die erste gemeinsame Hauptübung mit dem Jugendrotkreuz Schorndorf statt. Eine große Zahl der Schorndorfer Bürgerschaft beobachtete die Übung und mancher sprach sein Lob aus für die Gemeinschaft und die gute Zusammenarbeit der beiden Jugendgruppen.

1972 bei der Korpsversammlung der Feuerwehr Schorndorf, lobte Kommandant Immanuel Daiber, die Jugendfeuerwehr, die durch ihre Aktivität viel Freude bereite und eine echte Bereicherung, sowie eine sichere Zukunft für die Mannschaftsstärke der aktiven Feuerwehr bedeutet.

Es werden doch jedes Jahr einige Jugendliche in die aktive Feuerwehr übernommen, die den Vorteil haben bereits einen guten Ausbildungsstand vorweisen zu können.

1973 bis 1975 betrug die Anzahl der Jugendfeuerwehr Mannschaft durchschnittlich 23 bis 25 Mitglieder.

Bei der Korpsversammlung 1975 versprach Herr Oberbürgermeister Bayler um einen Anreiz zu schaffen – einen Sonderzuschuß von 100,- DM, wenn die Jugendfeuerwehr den Stand von 30 Jugendlichen erreicht.

1977 war es dann so weit, die Mannschaftsstärke wuchs auf 31 Jugendliche an und der versprochene Bonus wurde vom OB eingelöst.

Mit 31 Mann war die Jugendfeuerwehr Schorndorf die größte im Rems-Murr-Kreis. 32 % der Aktiven Feuerwehrangehörigen kamen aus der Jugendfeuerwehr.

Bei solch einer Anzahl Jugendlicher war es für den Jugendleiter Helmut Schmid zu unübersichtlich und deshalb wurden ihm als Stellvertreter Willi Lindauer und Jost Rube zur Seite gestellt.

Unser damaliger Kreisbrandmeister Karl Florian Idler bezeichnete die Jugendarbeit in der Feuerwehr als staatspolitische Aufgabe, weil die Jugend rechtzeitig das Dienen in der Gemeinschaft und die Kameradschaftspflege kennen lernt.

1979 siegte die Gruppe Schorndorf beim ersten Jugendfeuerwehr-Wettbewerb im Rems-Murr-Kreis in Miedelsbach und bekam als ersten Preis einen Besuch bei der Flughafen-Feuerwehr in Stuttgart.

Der Tag auf dem Flughafen war beeindruckend, denn die Kameraden der Flughafen-Feuerwehr zeigten uns die großen Löschfahrzeuge, und wie eine Landebahn beschäumt wird und vieles mehr.

Das größere Problem war, wie kommt man mit mindestens 30 Jugendlichen und den dazugehörigen Betreuern zum Flughafen. Um Kosten zu sparen, wurde ein Omnibus gemietet und Helmut Aigner hat uns dann gefahren. Ein Gastgeschenk für die Flughafen-Feuerwehr musste auch noch beschafft werden, man einigte sich auf einen Karton Wein und dieser wurde nach der Besichtigung an die Feuerwehrkameraden übergeben, diese legten den Weinkarton in einen Krankenwagen, der mit Blaulicht und Sirene davon brauste.

Im Gasthaus zum Hirsch in Schlichten bei Familie Auwärter wurde dann auf der Heimfahrt noch zu einem Abendessen eingekehrt.

Die Kosten für die Fahrt, für den Wein und für das Abendessen hat die Feuerwehrkasse übernommen und so kam man zu der Erkenntnis ein dritter oder vierter Platz wäre der Kasse billiger gekommen, aber es heißt ja jeder Sieg hat seinen Preis.

1986 zeigte die Statistik, dass von 75 aktiven Feuerwehrleuten, 34 Mitglieder aus der Jugendfeuerwehr-Ausbildung kamen.

Auch verschiedene Führungskräfte kommen aus der Jugendfeuerwehrausbildung.

Es sind:

Manfred Schmid und Jost Rube wurden Gesasmtkommandanten.

Klaus Greiner und Roland Wöhr wurden Abteilungskommandanten.

Helmut Schmid und Bernhard Kurz wurden stellvertretende Abteilungskommandanten.

Ebenso kamen viele heutige Zug – und Gruppenführer aus der Jugendfeuerwehr.

Was beweist, dass es außer der Drehleiter auch noch andere Aufstiegsmöglichkeiten bei der Feuerwehr gibt.

Vom 4.Mai bis 8.Mai 1989 war wiederum die Jugendfeuerwehr aus Tulle in Schorndorf zu Gast und zeigten wieder ihr turnerisches Können.

Wer bei diesem Kameradschaftsabend dabei war, schwärmt noch heute von der Fröhlichkeit und Freundschaft bei dieser Begegnung.

Ein weiterer Umzug stand der Jugendfeuerwehr wieder ins Haus, denn mit der Fertigstellung des Rot-Kreuz-Gebäudes in der Lortzingstraße zog im hinteren Querbau über der Fahrzeugwaschhalle das DRK aus und in diesen Räumen wurde die Jugendfeuerwehr integriert und somit hatte das Kellerdasein ein Ende.

Ab 1981 bis 1988 und von 1991 bis 1998 begleitete Bernhard Kurz das Amt des Jugendleiters. Dazwischen 1988 bis 1991 war Ralf Aigner Jugendleiter.

Von 1999 bis 2010 war Timo Salenbauch Jugendfeuerwehrwart.

Von 2010 bis Ende 2011 war Christian Hutt Jugendleiter der Abteilung Stadt

Seit Anfang 2012 bis heute ist Nelson Vieira Jugendleiter der Abteilung Stadt

Zum Sinn der Jugendfeuerwehr Ausbildung gehört Feuerwehrtechnik lehren, Kameradschaft, Zusammenhalt, Verständnis und Allgemeinbildung fördern.

Die Methoden, um diese Ziele zu erreichen, haben sich natürlich etwas geändert. Die Jugendlichen gehen selbstverständlich mit der Technik und somit auch mit der Zeit.

Zum Beispiel bei 24 Stunden Übungen wobei die Jugendlichen im Feuerwehrgerätehaus schlafen und essen. Mit Alarm, ausrücken zu angenommenen Schadensfällen und mit Geräteübungen konfrontiert werden.

Wie es sich für eine Jugendgruppe gehört, veranstalten die Jugendfeuerwehren auch Zeltlager und Ausflüge. Ein sicherlich herausragendes Erlebnis für die Jugendlichen war die Teilnahme beim im Jahr 2001 durchgeführten Landeszeltlager in Berlin.

Aber auch Tagesveranstaltungen wie Ausflüge zu Erlebnisparks, anderen Feuerwehren und Besichtigungen stehen auf dem Programm.

Alljährlich messen sich die Mädchen und Jungen bei Wettkämpfen, bei denen nicht nur das feuerwehrtechnische Wissen, sondern auch Allgemeinbildung und Sportlichkeit gefragt ist.

Die heutigen Jugendfeuerwehrabteilungen Schlichten und Oberberken waren von 1994 bis 2002 zur Ausbildung bei der Jugendfeuerwehrabteilung der Kernstadt angegliedert.

2002 bezogen die Jugendfeuerwehrabteilungen Schlichten und Oberberken eigene Räumlichkeiten in den Feuerwehr-Gerätehäusern der Teilorte und sind nun unabhängig von ihren Schorndorfer Kameraden untergebracht, was aber der Kameradschaft keinen Abbruch macht.

Es wird weiterhin unsere vornehmste Aufgabe sein, die Jugendgruppen zu erhalten und zu fördern und damit den Bestand der Feuerwehr unserer Stadt für die Zukunft sicherzustellen, denn

Sie geben für viele Jugendliche ein Beispiel

Unser Dank an Manfred Schmid, der dies zusammengetragen hat, anlässig des 50 jährigen Jubiläum der Jugendfeuerwehr Schorndorf.